Trendscanning: Ideal für Themenrecherche

Trendspotter möchten aus Trends der Gegenwart Hinweise für die Zukunft gewinnen. Ihre Arbeitsweise ist ideal für die Themenrecherche. Doch wie gehen Sie dabei am besten vor?

Trendscanning – Was ist das überhaupt?

Trendscanning, auch Trendscouting oder Trendmonitoring genannt, bildet eine Methode aus dem Werkzeugkoffer der Trend- und Zukunftsforschung. Im Gegensatz zu vielen anderen Methoden ist Trendscanning niedrigschwellig und stark praxisnah.

Für Unternehmensberater*innen ist das Thema gleich zweifach relevant: zum einen können sie Trendthemen identifizieren, die für ihre Kunden noch wichtig werden, zum anderen eignen sich diese Themen, um Beiträge für den Corporate Blog zu verfassen. Denn nur so sind sie dazu in der Lage, ihren Leser*innen relevante Einblicke in aktuelle Themen bieten zu können.

Trendscanning beschreibt das ungerichtete Suchen oder “Abtasten” nach Hinweisen für einflussreiche Entwicklungen. Es folgt ein Filtern und Verdichten der gesammelten Erkenntnisse. Die Vorgehensweise sieht dabei folgendermaßen aus: Beim Trendscanning werden Medien ausgewertet. Darunter fallen vor allem das Internet, Rundfunk und Fernsehen, Printmedien sowie Randmedien wie beispielsweise Fachzeitschriften. Sie werden auf kleine aber essentielle Details untersucht.

Beim Scanning sind die wichtigsten Faktoren

  1. die Breite des “Suchkegels”
  2. die Erfahrung und Intelligenz der “Scanner”
 

Dabei ist nicht die Quantität der untersuchten Medien entscheidend, sondern die Qualität. Ein Beispiel: Statt täglich dutzende Medien zu sichten und zu bewerten, empfiehlt es sich, die Social Media-Präsenzen von Meinungsführer*innen zu analysieren. Als Multiplikatoren beeinflussen sie eine breite Öffentlichkeit. Deren Auffassungen werden zudem in anderen Medien verdichtet. Twitter und LinkedIn bieten einige Funktionen, um solche Meinungsführer*innen zu identifizieren sowie ihnen zu folgen.

Das richtige Mindset entwickeln

Es gibt allerdings eine wichtige Voraussetzung: Um Trendscanning betreiben zu können, bedarf es einer gewissen Einstellung. Denn wir Menschen sind schlecht darin, Trends überhaupt wahrzunehmen. Dafür gibt es zwei verschiedene Gründe: Erstens ist unsere Auffassungsgabe derart beschränkt, dass wir bereits Veränderungen, die mehr als zwölf Sekunden dauern, nicht erkennen können. Zweitens beginnt das menschliche Gehirn ab einem gewissen Alter einzufrieren – mitsamt  bestehender Ansichten und Werte.

Entwicklungen nicht mitzubekommen, liegt an einer gewissen Bequemlichkeit. Denn Muster zu sehen, wo es keine gibt, erleichtert die Arbeit des Gehirns. Zu sagen, dass auf einen Terroranschlag der Nächste folgt, ist schließlich eine einfache Möglichkeit, um eine Struktur ins Chaos zu bringen. Viele Vorurteile funktionieren auf diese Weise. Es ist einfach, über die “Frau hinterm Steuer” zu schimpfen oder sich über den “unfähigen Mann im Haushalt” lustig zu machen. Damit man Trends erfolgreich “scouten” kann, bedarf es also einem bestimmten Mindset.

Erweitern Sie also Ihren Wahrnehmungshorizont. Das ist natürlich leicht gesagt. Bedeutet aber: Lassen Sie neue Gedanken und sogar Träume in Ihr Gehirn strömen. Solche Wunschvorstellungen helfen Ihnen, Ihre Perspektive zu ändern und Gewohntes zu hinterfragen. Auf diese Weise schaffen Sie Räume in Ihrem Kopf und in Ihrer Wahrnehmung, um neue Antworten auf bereits bekannte Fragen zu finden. Dies ermöglicht Ihnen, Trends tatsächlich zu greifen.

Drei Übungsfragen für das richtige Mindsetting

Drei Übungsfragen für das richtige Mindsetting:

1. Angenommen, Sie schreiben sehr gerne mit Stift und Papier. Stellen Sie sich nun vor, Sie leben in einer Welt, in der kein Stift erfunden wurde?

Wahrscheinlich drängt sich bei Ihnen die Frage auf, wie früher die Menschen ohne Stifte ihre Gedanken notiert haben. Oder es stellt sich automatisch die Frage, ob  jetzt schon Technologien existieren, mit denen Menschen ihre Gedanken aufs Papier bringen können.

In dem Sie etwas weglassen, zwingen Sie sich eine neue Perspektive einzunehmen. Weitere Beispiele: Kann man Arbeit effektiver machen, wenn man der Belegschaft die Computer  wegnimmt? Wie könnte man im Betrieb gewährleisten, dass sich  Mitarbeiter*innen austauschen, wenn keine Meetings mehr stattfinden?

2. Stellen Sie sich vor, nicht Männer, sondern Frauen dominieren die Arbeitswelt. Welche Konsequenzen ergeben sich in einer Gesellschaft für die Familienorganisation?

Ein guter Ansatz hierfür ist die Suche nach Gesellschaftsformen, in denen Frauen dominieren. Und eine kurze Google-Recherche zeigt: es gibt sie. Das Matriarchat existiert beispielsweise im chinesischen Mosuo. Das Studium über diese Gesellschaft bietet Hinweise, wie eine von Frauen dominierte Arbeitswelt in unserem Kulturraum aussehen könnte.

Bei diesem Beispiel werden Situationen oder Ereignisse polarisiert. Respektieren sich Kolleg*innen mehr, wenn alle dasselbe anziehen? Arbeitet ein Team besser, wenn kein/e Vorgesetzte/r existiert?

3. Neben “weglassen” und “polarisieren”, ist eine weitere Möglichkeit, Trends zu identifizieren, die Formulierung einer Wunschvorstellung. Wäre es nicht toll, wenn Menschen für den Lebensunterhalt nicht mehr arbeiten müssen?!

Auch hier gibt eine Recherche viele wertvolle Hinweise. In unserem Breitengrad gibt es beispielsweise zahlreiche Initiativen zum Grundeinkommen. Diese fordern, dass Menschen ein monatliches Einkommen erhalten – und zwar ohne Gegenleistung. Diese Initiativen sind in sozialen Medien sehr engagiert, veröffentlichen zahlreiche Inhalte wie Positionspapiere und diskutieren Fallbeispiele.

Unter www.mein-grundeinkommen.de kann sogar an einer Verlosung teilgenommen werden. Mit etwas Glück kann man jeden Monat für ein ganzes Jahr 1.000 Euro  zur freien Verfügung erhalten. In Teilnehmer*innen-Profilen erzählen einige, was für Pläne sie haben, wenn sie ein Grundeinkommen erhalten könnten. Eine einfache Inhaltsanalyse liefert eine Vielzahl an interessanten Themen.

5 Schritte, um Trends zu erkennen

Mit dem richtigen Mindset sind Sie nun in der Lage, selbst konkretes Trendscouting durchzuführen. Dazu haben wir für Sie fünf Schritte erstellt, um Themen für Ihren nächsten Trendbeitrag zu identifizieren. 1. Verstehen, was eigentlich ein Trend ist  Der erste Schritt bildet die Basis für die folgenden Schritte. Denn wie können Sie Trendscanning betreiben, ohne zu wissen, was ein Trend überhaupt ist? Ein Trend ist eine scheinbare Entwicklung, welche in der Zukunft liegt und nachhaltig sowie langfristig etwas verändert und bewirkt. Gegenwärtige Entwicklungen gehen entweder in eine andere Richtung oder verstärken sich weiterhin. Ein Beispiel dafür: Ernährungstrends. In den 60er Jahren war fetthaltiges Essen angesehen und gehörte zu einer guten Lebensqualität dazu. Heutzutage hingegen entwickeln sich Trends eher zu einer gesunden und veganen Ernährung. Ein Trend einer Branche kann weitreichende Auswirkungen haben. So bewirkt ein Trend der Ernährung zum Beispiel Veränderungen in den Branchen Gastronomie, Tourismus, Landwirtschaft und Handel. 2. Trend- und Themen-Landkarte erstellen Die einfachste Trend- und Themenkarte, mit der Sie sofort loslegen können, ist Ihnen vielleicht bereits bekannt: die Mindmap. Sie ist ein grafisches Hilfsmittel, um Informationen, Gedanken, Erkenntnisse und Zusammenhänge abzubilden, zu dokumentieren und schließlich zu erkennen. Unsere Empfehlung: formulieren Sie drei, maximal fünf Erkenntnisse aus. 3. Zielgruppe interviewen Das Umfeld ist beim Trendscanning ausschlaggebend. Nur durch das Einbeziehen der Zielgruppe können Sie einschätzen, was diese wirklich denkt. Es ist naheliegend wie unerlässlich, dass Sie die Perspektiven und die Meinungen Ihrer Kund*innen aktiv einholen. Ihre Ergebnisse aus dem Trendmapping bilden dabei die Gesprächsgrundlage und den Leitfaden. Konfrontieren Sie sie mit Ihren Thesen und Erkenntnissen. Und: Vergessen Sie das Protokoll nicht. 4. Von Expert*innen prüfen lassen Auch wenn der Kunde bzw. die Kundin Königin bzw. König ist, dürfen Sie nicht ausschließen, dass sie sich irren. Gleichen Sie Ihre bisherigen Erkenntnisse mit dem Wissen von Expert*innen ab. Sie verfügen über tiefes Grundlagenwissen und können beispielsweise erkennen, welche Aussagen auf Vorurteilen, Annahmen oder Mythen beruhen. Nicht zuletzt können Sie sich in Ihrem Beitrag auf diese Expert*in beziehen, was die Glaubwürdigkeit Ihrer Inhalte stärkt. 5. Bewerten Sie Trends Der letzte Schritt ist die Krönung: Sie haben ein Thema durchdrungen, die Perspektive Ihrer Zielgruppe eingeholt und von Expert*innen wertvolle Hinweise erhalten. Damit ist die Grundlage für einen gelungenen Beitrag gelegt. Erfahrungsgemäß werden Sie an diesem Punkt eine Fülle an Informationen, Ideen, Themen und Trends erarbeitet haben. Da Sie keinesfalls einen überlangen Beitrag schreiben sollten, der Ihre Leser*innen am Ende ermüdet, müssen Sie eine relevante Auswahl treffen. Erstellen Sie eine Liste mit drei Spalten:
  • In der ersten Spalte listen Sie alle Ihre Trends auf.
  • In der zweiten Spalte geben sie auf einer Skala von 1 (= sehr unwahrscheinlich) bis 10 (= definitiv) an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der jeweilige Trend tatsächlich eintritt.
  • In der dritten Spalte geben Sie ebenfalls auf einer 10er-Skala an, wie stark die Wirkung dieses Trends sein wird, wenn er tatsächlich eintritt.
Übertragen Sie die beiden Werte aus Spalte zwei und drei auf ein Koordinatensystem mit der X-Achse für die Eintrittswahrscheinlichkeit und mit der Y-Achse für die Wirkung. Nun erkennen Sie, dass alle Trends, die im Quadranten oben-rechts gelistet sind, für Ihre Leserschaft hochgradig relevant sind. Trends hingegen, die im Quadranten unten-links gelistet sind, können Sie ignorieren.

Übung macht den Meister!

Keine Frage, das war viel Input. Die Vorgehensweise, die in diesem Beitrag dargestellt wurde, ist aber niedrigschweillig und kann sofort umgesetzt werden, ohne dass dafür Technologien oder Hilfsmittel benötigt werden. Vergessen Sie bitte nicht: um Trends erkennen zu können, wird ein entsprechendes Mindset vorausgesetzt. Die Erfahrung zeigt, dass Übung, Übung und Übung wichtig ist, um diese Sofortstart-Methode wirkungsvoll einzusetzen.
Karla-Paulina Kordt

Karla-Paulina Kordt

Mein Name ist Karla Kordt und ich bin beim futureorg Institut als Content-Managerin/Online-Redakteurin vor allem für das Verfassen der Beiträge zuständig.
Beim Schreiben kann ich gut mein Wissen aus meinem Anglistik und Germanistik Studium an der Ruhr-Universität Bochum einbringen. Neben der Uni und Arbeit interessiere ich mich sehr für Literatur, Theater, Filme und Sport.

Kontakt: kordt@futureorg.de

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