Die Wissenschaft hinter Storytelling: Unser Gehirn liebt Geschichten

Eine bestechende Geschichte zu erzählen, ist eine Kunst. Dahinten steht aber auch eine Wissenschaft, so die Meinung vieler Expert:innen und Autor:innen. Ob es sich um Romane oder Marketing-Inhalte handelt, liebt unser Gehirn Geschichten – diese die Grundlage des Storytellings. Wie können Sie in einem Business-Kontext von Storytelling profitieren?

Geschichten sind zentral, um Sinn zu stiften und Relevanz zu erzeugen. Daher hat Storytelling das Potenzial, die Leser:innen zu engagieren, zu beeinflussen und zu inspirieren. Auch wird die Überzeugung geteilt, dass eine gut erzählte Geschichte wirkungsvoller ist als Daten und Fakten: Ein Aspekt, der besonders für die Marketing- und Vertriebskommunikation von Unternehmen bedeutend ist. Die gute Nachricht lautet: Jeder kann Storytelling beherrschen. Denn das Geheimnis einer überzeugenden Geschichte befindet sich in unserem Gehirn.
 

Warum liebt das Gehirn Geschichten?

 
In „The Science Of Storytelling“ beleuchtet Will Storr die Gedankenwege, die eine Geschichte für die Leser:innen vergnüglich machen. Wir sind psychologisch bestimmt, Geschichten zu lieben. Zudem ist unser Gehirn prädisponiert, lineare Narrativen zu bevorzugen. Bedeutet: Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, in sich schlüssige Geschichten besser aufzunehmen als etwa die bloße Auflistung von Fakten.
 
Wir lieben Geschichten so sehr, dass wir auch dort Narrative schaffen, wo eigentlich keine existieren. Ein bekanntes Beispiel sind optische Täuschungen. Das Gehirn vervollständigt von allein Lücken in der Wahrnehmung, weil es ein ganzes Bild erkennen möchte. In ähnlicher Weise arbeiten wir mit Informationen aus einer Geschichte: Das Gehirn ordnet die Elemente der Geschichte in Ursache-Wirkung-Beziehungen, was den Lernprozess stimuliert.
 
Unternehmer Leo Widrich macht in seinem Essay „The Science of Storytelling: What Listening to a Story Does to Our Brains“ deutlich, warum Geschichten eine effektive Lernmethode sind. Wenn wir eine Geschichte lesen, sind nicht nur die Hirnteile der Sprachverarbeitung aktiviert, sondern auch jene, die mit Praxiserfahrung zu tun haben. Wir sind also von einer Geschichte angezogen, weil wir deren Ereignisse nachempfinden.
 
Werner T. Fuchs beschäftigt sich in seinem Buch „Warum das Gehirn Geschichten liebt“ mit dem „Storytelling“ im Marketing. Er zeigt, dass die Prozesse der Herstellung und der Interpretation einer Geschichte nicht erst in der Schule explizit gelehrt und gelernt werden, sondern Teile der Sozialisation sind. Wir sind also als Menschen für Storytelling bestimmt. Diese Strategie steht jedem zur Verfügung – im folgenden einige Tipps, um diese am besten auszunutzen.
 

Die Grundlagen gelungenen Storytellings

 
Im Herzen einer gelungenen Geschichte steht eine Statusänderung durch Formulierung. Das ist deutlich in Büchern und Filmen, wo der Protagonist am Ende seine Zustände verbessert. Diese sind die Geschichten, die das Publikum am meisten einbeziehen: Jeder kann das Streben nach besseren Lebensumständen nachvollziehen. Was hat das aber mit Business zu tun? Ganz einfach: Man könnte es auch so deuten, dass Statusstreben eine Form der Zielsetzung ist. Ihre Geschichten – in Form von Blogartikeln, Werbevideos, Motivationsreden, usw. – entwickeln sich am besten, wenn Sie bestimmte Ziele erreichen und dadurch eine Wirkung entfalten. Machen Sie vom Anfang an deutlich, inwiefern Ihr Beitrag Ihrer Leser:innen helfen kann.
 
Denken Sie an Ihr Lieblingsbuch. Können Sie sich an einige feinen Details erinnern, wie die Farbe eines Kleidungsstücks oder das genaue Alter des Protagonisten? Es ist möglich, dass Sie solche Kleinigkeiten nicht vergessen, obwohl sie nicht zentral für die Entwicklung der Geschichte sind. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn versucht, Informationslücken zu füllen: Vielleicht haben Sie ein wichtiges Handlungselement vergessen – Ihr Gehirn füllt diese Lücke mit solchen unwichtigen Informationen. Diesen Prozess können Sie in Ihren Inhalten ausnutzen: Kleine Anekdote, interessante Nebenbemerkungen und amüsante Details wecken die Aufmerksamkeit des Publikums und machen die Geschichte erinnerungswürdig. Allen voran haben Sie Mut zur Lücke.
 

Fünf Tipps für Business Storytelling

 
Storytelling lohnt sich nicht nur für kreatives Schreiben. Eine gelungene Geschichte kann Ihnen auch bei Ihrer Unternehmenstätigkeit helfen. Sie können Marketing, Kommunikation und Partnervermittlung optimieren, indem Sie sich nicht nur auf statische Fakten beziehen, sondern auf greifbare Geschichten aufbauen. Dazu kann Ihnen die Strategie des Storytellings dienen.
 
Aus deren Grundlagen lassen sich fünf Empfehlungen ableiten:
 
  • Setzen Sie ein klares Ziel.
  • Fördern Sie klare Resultate – am besten eine Statusänderung.
  • Engagieren Sie Ihre Leser:innen: Bauen Sie auf konkrete, nachvollziehbare Lebenserfahrungen auf.
  • Seien Sie authentisch: Fügen Sie Anekdote und Details hinzu, die die Geschichte greifbarer machen.
  • Verzichten Sie nicht auf Kohärenz: Halten Sie sich an das Hauptthema – Nebenbemerkungen sollen auch damit verbunden sein.
 
Geschichten können unsere Weltanschauung ändern und neue Horizonte des Wissens eröffnen. Eine unvergessliche Geschichte ist eine der effektivsten Lernmethoden. Wenn Sie Ihre Leser:innen inspirieren und sogar aktivieren möchten, können Sie sich auf die Wissenschaft hinter Storytelling beziehen. Dadurch können Sie wertvolle Inhalte schaffen und charismatisch kommunizieren. (futureorg/blog)
Irene Valenti

Irene Valenti

Ich bin Irene Valenti und bin beim futureorg Institut als Lektorin und Online-Redakteurin tätig. Dabei verwende ich meine Kenntnisse der Literatur- und Textlinguistik aus meinem B.A. in Germanistik zum Verfassen und Verfeinern der Texte. Derzeit verfolge ich meine Leidenschaft für Fremdsprachen und Literatur in einem Master in English and American Studies an der Universität Augsburg.

Kontakt: valenti@futureorg.de

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